|
Badminton Bundesjugendtrainer Holger Hasse im
Interview:
Der 5. März ist der Tag der Wahrheit: Dann nominiert Badminton
Bundesjugendtrainer Holger Hasse das Deutsche Team für die
Junioren-Europameisterschaft vom 31. März bis 8. April 2007 in Völklingen. Aus
dem Perspektivteam U19-U17 bildet sich jeweils die Nationalmannschaft
U19, die bei der Junioren-EM den Deutschen Badminton Verband vertritt. Im Interview
mit Pascal Blum spricht der Bundestrainer über mögliche EM-Favoriten und über
die Rolle des DBV-Teams.
Herr Hasse, die Deutschen Nachwuchsmeisterschaften in
Duisburg sind vorbei. Welche Spieler werden bei der EM die deutschen Fahnen
vertreten?
Holger Hasse: Wir
haben gesagt, dass wir erst nach den Dutch Junior International die Spieler und
die Öffentlichkeit darüber informieren, wer nun dabei ist und wer nicht. Und
vor den eigentlichen Protagonisten wird es selbstverständlich niemand erfahren.
Die Tür ist noch für eine ganze Reihe von Spielern offen. Es folgen nun die
internationalen Turniere, die uns sicher noch wichtige Erkenntnisse bringen
werden. Am 5.März wird dann entschieden.
Gibt es tatsächlich noch keine Namen? Ist denn wirklich
niemand sicher dabei?
Hasse: Es
gibt ohne Frage einen Personenkreis, der sich sicher gute Chancen ausrechnen
kann. Namen werde ich hier aber keine nennen.
Welche Chance räumen
Sie der Deutschen Mannschaft im Mannschaftswettbewerb ein?
Hasse: Die
Zielsetzung ist wie schon vor zwei Jahren, als wir mit diesem Team die Arbeit
aufgenommen haben: Wir wollen unter die ersten Drei kommen. Wobei England und
Dänemark für das Team-Turnier hier ganz klar in der Favoriten-Rolle sind. Und
mit den Engländern haben wir gleich einen dicken Brocken in unserer Gruppe. Die
Ukrainer und Esten haben auch starke Teams. Das ist eine Hammer-Gruppe, aber
wir freuen uns sehr auf den Wettkampf.

Seit 1999 konnte Deutschland bei den EM-Mannschaftswettbewerben
dreimal Gold und einmal Bronze gewinnen. Eine hohe Bürde?
Hasse: Durch
die Erfolge in der Vergangenheit konnten wir eine Tradition aufbauen und bei unseren
Spieler ein gewisses Selbstbewusstsein aufbauen. Aber wir schauen nur nach
vorne. Mir ist gar nicht bange, denn wir haben einige Eisen im Feuer, Jungs und
Mädels, die alles für ihren Sport geben. Und vergessen darf man auch nicht den
Heimvorteil.
Welche anderen
Mannschaften haben Sie noch auf der Rechnung?
Hasse: Da
sind auf der einen Seite die Niederländer, die in diesem Jahr eine sehr gute
Mannschaft stellen. Und da sind auf der anderen Seite die Russen. Sie
sind auch immer sehr stark und schwer auszurechnen, weil sie in West-Europa in
der Saison über kaum in Erscheinung treten. Die sind das
Überraschungspaket.
Kommen wir zum
Individual-Wettbewerb. Können Sie uns einige Favoriten vorstellen?
Hasse: Im
Herreneinzel gehören der Däne Mads Conrad-Petersen und der Niederländer Lester Oey zu den
Favoriten. Bei den Damen ist die Engländerin Michelle Cheung herausragend. Sie
wird ganz sicher ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden. Auch in den
Doppel-Disziplinen sind die Engländer und Dänen die großen Hausnummern: Im Herrendoppel
sind die Dänen Mads Conrad-Petersen, Mads Pieler Kolding, Christian Larsen und Christian Skoovgaard zu nennen. Als ärgste Widersacher sehe ich
hier die Jungs von der Insel: Chris Adcock und Peter Mills. Im Damendoppel ganz
vorne dabei: Mariana Agathangelou mit Partnerin Gabrielle White – ebenfalls vom englischen Badmintonverband. Härteste
Konkurrenten werden das dänische Pärchen
Line Kruse und Joan
Christiansen oder Maria Thorberg. Im Mixed gehören Mads Pieler Kolding mit Line
Kruse und Chris Adcock mit Gabrielle White zu den Favoriten. Letztlich muss man
in den Doppeldisziplinen abwarten, welche Paarungen zusammengestellt werden. Aber
jede Länder-Kombination aus dieser jugendlichen Badminton-Elite spielt um den
Europameister-Titel. Hoffentlich gibt es ein paar Überraschungen.
Jetzt haben Sie aber gar keine deutschen Spieler genannt.
Sind wir chancenlos?
Hasse: Nein,
auf keinen Fall. Aber unsere Spieler sind eher in der Außenseiter-Rolle. Wir
können die Großen schon ärgern und an einem guten Tag stellen wir ihnen auch
ein Bein. Und dann hoffe ich, dass wir Deutschen mit unseren Spielern zur
richtigen Zeit an der richtigen Stelle sind. Aber: In dieser Lauerstellung befinden wir uns nicht
alleine. Beispielsweise hat die Türkei einen ausgezeichneten Herren-Einzel
Spieler, eine junge Schottin ist verdammt gut, auch die Bulgaren kommen mit
vorzüglichen Spielern. Nicht zu vergessen, die schon erwähnten Niederländer und
Russen. Dass wird eine höchst spannende Angelegenheit.
Welche Rolle spielt
da das Publikum? Wie groß sehen Sie den Heimvorteil?
Hasse: Zunächst
ist es mal toll, dass nach so langer Zeit wieder eine Europameisterschaft in
Deutschland stattfindet. Und für unsere Spieler ist es natürlich auch etwas
ganz besonderes, da braucht man denen gar nichts Großes sagen - das ist ja
schon Motivation genug. Der Heimvorteil wird sich natürlich noch mehr
auswirken, wenn die Halle gut besucht und unsere Leute angefeuert werden. Das
verleiht manchmal Flügel. Das wünsche ich mir: Eine schöne EM, mit vielen Fans
und dann bin ich mir sicher, dass wir eine gute Rolle spielen werden.
|